26 Dezember 2007

Der Tag nach dem Marathon

18 Mai 2007

Der Lauf ist geschafft - das Bauvorhaben geht weiter!

Der Lauf ist geschafft. Und drei Dinge habe ich begriffen:

1. Wenn man wirklich etwas will, schafft man es!

Hätte man mir vor zwei Jahren gesagt, dass ich im Mai 2007 Marathon laufe, hätte ich mir an den Kopf gepackt! Ich wog 85 Kilogramm, steckte in der Krise und tat mir leid, weil die Welt so gemein zu mir war. Über Sätze wie: "Wenn man wirklich will, schafft man alles!", konnte ich nur zynisch lachen! Doch die Entscheidung, ob man den Rest des Lebens herumwinseln, jammern und von besseren Zeiten träumen will, die trifft jeder selber. Wer losgeht, der merkt, dass der Weg bis zur eigenen Grenze viel weiter ist, als man denkt und plötzlich verändert sich die Welt.

2. Kleine Zeichen haben manchmal eine große Wirkung!
Spätestens ab Kilometer 34 schrie mein Körper: Hör auf! das, was Du machst, ist schwachsinning und ungesund. Er zog alle Register. Was mir geholfen hat, war, dass an Kilometer 37 eine bekannte Stimme durch den Nebel zu mir hindurchdrang, die rief: "Christian, Du schaffst das". Ein kleines Zeichen - nicht länger als drei Sekunden! Ein kleines Zeichen- die Person hätte ja auch zuhause bleiben können! Ein kleines Zeichen- aber für mich hatte es eine große Bedeutung!

3. Man muss sich entscheiden, ob man Zuschauer oder Teilnehmer sein will!
Viele träumen davon, selber mal einen Marathon zu laufen. Einige von ihnen können Dir sogar ganz genau sagen, was Du für eine gute Vorbereitung zu tun hast. Worauf Du achten musst! Was ganz doll gefählich ist! Einige verstehen sich richtig auf das Fachsimpeln! Nun ja, ich war dabei. Das kann mir keiner nehmen! Zuschauer sein ist langweilig! Ich will im Leben dabei sein! Träumen, sagen was-wäre-wenn, Analysieren, das alles ist einfach! Ich will lieber mit Würde scheitern, als andere scheitern zu sehen und die Gründe und Fehler aufzuzeigen!

Der Bau geht weiter!
Der Lauf ist vorbei, aber alles, was ich gelernt habe, kann ich für den Umbau, die Erweiterung und Sanierung der Gemeinde gebrauchen! Den Bau muss man erst an zweiter Stelle bezahlen, an erster Stelle muss man ihn wirklich wollen! Den Bau muss man nicht mit einer Millionen Euro unterstützen, es reicht das kleine Zeichen im Rahmen meiner Möglichkeiten! Den Bau muss man auch nicht zuerst analysieren! Man muss ihn anpacken!

Ich danke denen, die immer wieder gerne auf dieser Seite vorbeigeschaut haben. Mir hat das Spaß gemacht! Ich gehe jetzt in eine kurze Pause und melde mich dann mit neuen Ideen. Bis dahin: Keep on running!

14 Mai 2007

Geschafft!


Es ist geschafft! 42 Kilometer sind in 3:56:14 überwunden. Herzlichen Dank allen, die mich unterstützt und ermutigt haben.
Vielen Dank allen, die an der Strecke standen, vor allem am Kilometer 37 als ich definitiv meinen Einbruch hatte und Ihr mich aufgemuntert habt!
Vielen Dank an meine Familie, an Katrin, Elena, Lara und Julian, die in den letzten Monaten stinkende Laufschuhe ertragen und mich auf langen Läufen mit dem Rad begleitet haben.
Vielen Dank dem Doc Emanuel Biberich, der mich immer wieder ermutigt, ermahnt, kuriert und etliche Kilometer während des Marathons begleitet und gezogen hat!
Vielen Dank Britta, Philipp und Wolfgang, die sich für den Fanstand ins Zeug gelegt und für eine perfekte Regeneration gesorgt haben. Ein herzliches Dankeschön Matthäus Dolibog, der mit seinen gesponsorten Fotos die Pressearbeit voran gebracht hat.
Vielen Dank an Proimage für die Pressearbeit und an Vivani, die mich gesponsort haben! Vielen Dank allen Einzelspendern, Gruppen, Firmen, die einen Kilometer gekauft haben!
Vielen Dank der Nummer 1, die für Bombenwetter gesorgt hat!

Fotos bei Picasa Web

Ruhrmarathon
Auf das Bild klicken!
(Die Bilder machten Matthäus Dolibog, Wolfgang Wedel und Mike Philipp- Vielen Dank!)

Die beste Fanmeile der Welt




Die Fotos machte Wolfgang Wedel.
Weitere Bilder aus dem Ziel kommen bald.

13 Mai 2007

Team von ERF Fernsehen begleitet die Aktion

Ein Team von ERF Fernsehen begleitete die Aktion. Sie filmen für die Sendung "Gott sei Dank".
Satellit digital:
Bibel TV - Sa. 16. 6. 17.30 Uhr
(Wh.: Di. 19. 6.; Do. 21. 6.
)
rheinmaintv - Fr. 22. 6.17.00 Uhr

Kabel:
FAB (Fernsehen aus Berlin)

- Fr., 15.6. 2007 17.05 Uhr
(Wh.: Sa. 16. 6. 22.30 Uhr,

So. 17. 6. 2.05 Uhr
Fr. 22. 6. 17.05 Uhr)
Erfurt TV - So. 17.6. 21.00 Uhr
bw family tv– Mi. 17.6. 10.30 Uhr
rheinmaintv - Fr., 22. 6. 17.00 Uhr

09 Mai 2007

Woche 20/20: Abgefahren

Tick, tack, tick tack! Sonntag sind wir die Strecke einmal abgefahren. Der KM-Zähler zeigte 42,6 Kilometer! Die 400 Meter mehr ergeben sich wohl, weil ich nicht auf der Ideal-Linie gefahren bin, die überall auf die Straße gezeichnet ist. Das hätte bedeutet, auf der falschen Fahrbahnseite zu fahren und das wollte ich nicht. Was soll die Presse schreiben??? "Rommert pennt! Marathonpastor auf Geisterfahrt..." ???

Tick, tack, tick, tack. Gestern hatte ich Geburtstag- war sehr schön. Ich hatte trainingsfrei und habe Unmengen kohlenhydratsfreie Nahrung in mich hineingeschlungen. Von meiner Familie habe ich Hapes "Ein Mann ein Fjord", ein paar Klamotten und eine Erkältung geschenkt bekommen. Nun sitze ich hier mit Halsschmerzen und frage mich, ob mein Wunderdoktor die auch wegmassieren kann. Bei allen bisherigen Zerrungen, Verkrampfungen, Knieschmerzen, Schulterproblemen hat es ja auch geklappt!

Tick Tick Tack. Ja ich bin aufgeregt. 42 Kilometer! Keine Ahnung und tausend Fragen: Soll ich wirklich meine hässlichen Schuhe anziehen??? Die lachen mich doch aus, selbst wenn ich ins Ziel komme. Reichen die Getränkestationen alle fünf KM, oder muss ich noch jede Menge Powerriegel und Getränke mit mir rumschleppen??? Was mache ich, wenn durch das ganze Geschuckel die Peristaltik auf ungute Weise in Schwung geraten ist. Soll ich mich vor hunderten von Leuten in die Ecke hocken? Soll ich bei fremden Menschen anschellen, oder habe die geräuschabgeschirmte Dixiklos an der Strecke??? Mist! Ich mache mir tausend Gedanken und die Uhr läuft! Tick, Tack!

06 Mai 2007

Es kann losgehen !

Die Gemeinde ist heiß! Ich bin heiß! Noch ein paar Tage dann geht es los!



02 Mai 2007

Woche 19/20: Geliebte Fremde

Auf meiner letzten langen Läuferrunde Montag am Kemnader See habe ich sie alle noch einmal wiedergetroffen. Die Menschen, die mich die vergangenen 20 Wochen immer wieder in regelmäßigen Abständen begleitet haben. Der resignierte Rambo, den flitzenden Fliegenfänger, die zackige Omma und Biene Maja - den beherzten BVB-Fan. Menschen, mit denen ich kein Wort je gewechselt habe und die mir doch ans Herz gewachsen sind. Ein Hoch auf die Läufer-Freundschaft!
Rambo zum Beispiel: Statue wie ein Eisenbieger, Gesichtszüge wie ein Lude und ein Haarschnitt wie das Filmdouble von Telly Savalas. Bei all dem schaut er einen immer so resignativ von unten an, als will er sagen: "Ja, ja ich weiß, Du joggst und ich gehe nur spazieren, aber was soll's, Hauptsache frische Luft!"
Auch der flitzende Fliegenfänger ist Walker. Er macht beim Walken so lächerliche Bewegungen mit seinen Händen, als wolle er während des Laufens imaginäre Fliegen fangen. Schnipp! Schnapp! Schnipp! Schnapp!
Die zackige Omma ist klein und weiß und kommt mir immer entgegen und schreit: "Na, da staunste, was die Omma noch drauf hat? Häh?" Ich staune tatsächlich!
Der Liebste ist mir Biene Maja. Er hat mit mir vor vielen Jahren gemeinsam am Kemnader Stausee begonnen. Damals ist er noch gewalkt. Aber inzwischen joggt er wie ich und wir grüßen uns! Er hatte einige Kilo mehr drauf und hat durchgehalten in seinem schwarz-gelben Trainingsanzug! Respekt! Weiter so!
Was soll ich nur machen, wenn der Marathon vorbei ist? Ich werde Euch vermissen! Oder aber ich laufe im nächsten Jahr meinen zweiten? Lust hätte ich ja!

24 April 2007

Woche 18/20: 35 Kilometer Teil 2


Rundkurse kann ich nicht leiden. Ich brauch die Abwechslung. Diese Neigung hat sich bei meinem letzten 35 KM Lauf böse ausgewirkt. Irgendwann stand ich völlig dehydriert am Straßenrand, kilometerweit von zuhause entfernt und körperlich total am Ende. Gerettet hatte mich einzig und allein mein Not - Euro, mit dem ich mir an der Bude ne Pulle Wasser kaufen konnte. Danach quälte ich mich die restlichen 6 km nach Hause. Dieses Mal war ich auf Anraten von Martin Schramm schlauer und bin halt doch lieber vier Mal um den Kemnader Stausee gerannt. Und - man mag es nicht meinen: So 'nen Rundkurs hat seine Vorteile:

1. Man kommt mehrmals am Auto vorbei und kann seine Wassertanks auffüllen! Sehr gut! Kein Verdursten mehr!
2. Sollte man schlapp machen, hängt man nicht völlig verloren am Straßenrand, sondern kann sich zum rettenden Auto durchschlagen.
3. Ein Rundkurs kann ganz interessant sein, wenn man ein bißchen kreativ ist.

Man kann zum Beispiel Nachforschungen anstellen, ob die Spucke nach einer Runde noch vorhanden oder von der Sonne weggetrocknet ist. Man kann mitzählen, wie häufig man WalkerInnen überholt, bevor die eine Runde geschafft haben (ich habe ein und dasselbe Pärchen drei Mal gesehen). Interessant sind auch die unterschiedlichen, sich stündlich ändernden klimatischen Bedingungen: Stausee bei Nebel (6.30 Uhr), Stausee im ersten Sonnenlicht (7.15 Uhr), Stausee wenn es wärmer wird (8:00 Uhr), Stausee, wenn es heiß ist (10.00 Uhr). Großartig! Man sieht tausend interessante Dinge und nebenbei läuft man 35 Kilometer! Ich mach ab jetzt nur noch Rundkurse!

16 April 2007

Woche 17/20: Walkie Talkie



Ohne dass man es will, wird man als Läufer hin und wieder Zeuge von WalkerInnengesprächen. Nicht gut!!! Wenn Dicke sich über noch Dickere auslassen, ist das nicht lustig! Oder Bewegungsgestörte über noch Gestörtere! "Seit ihrem dritten Lebensjahr macht die Ballett!", keift die Eine atemlos! "Ja aber wenn sie rückwärts einparken soll... Das musste mal sehen!" "Naja nun hat sie auch wieder drei Kilo zugenommen!" höre ich das Gesäß vor mir tratschen, während ich versuche, mich an ihm vorbeizuschieben, "aber wer drei Mal am Tag ne Tafel Schokolade isst...!" Walkie Talkie Alarm! Der perfekte Zeitvertreib für Menschen, die gemütlich spazieren gehen und tratschen wollen! Aber das dann als Sport verkaufen wollen??? Pfui!!! Hauptsache toll angezogen und teuer ausgerüstet und jeder Ecke ne Pause machen für Dehnübungen??? Erbärmlich! Nein Danke! Ich kämpfe für Walkerverbot an meinem Lieblingsstausee!!! So, das musste jetzt mal raus!

Trainingswettkampf

Als Höhepunkt meines aus Grillen, Schlafen, Lesen und Joggen bestehenden Trainingscampes gönne ich mir Sonntag den 1. Wittener Uni- Run. Zwanzig Kilometer bei Bullenhitze während die Strecke zur Hälfte bergab und zur anderen Hälfte bergauf geht.

Ich fiebere jeder Getränkestation entgegen und kippe mir zwei Becher in den Nacken und auf den Kopp und einen dritten Becher in den Mund - ganz egal ob mit isotonischem Mixgetränke oder Wasser pur. Hauptsache kühl!!! Gestartet war ich unter der Maßgabe 21 km. Als ich ins Ziel komme bin ich schon enttäuscht genug. Halte aber meine 1:54 Std. für eine gerade noch so annehmbare Zeit angesichts der Tatsache, dass es heiß und das Gelände anspruchsvoll war. Außerdem laufe ich den Run ohne Tapering, also einfach aus dem Training heraus ohne die übliche Wellnesswoche davor... Ich suche nach noch mehr Entschuldigungen, bin aber enttäuscht, weil ich meine alte Zeit nicht geknackt habe! Als ich meiner Familie - kurzzeitig war ich so stumpfsinnig und ausgetrocknet, dass ich mir fast die falsche Familie gegriffen hätte - als ich also meiner Familie in die Arme falle, verkündigt mir die Frau, die ich liebe, dass die Strecke gekürzt wurde - kleiner Fehler des Veranstalters, wurde gerade angesagt - 'tschuldigung! Wurde gerade angesagt!

So was darf man nicht machen!!! Nicht zu diesem Zeitpunkt, nicht nach so nem Lauf... aaaaaahhhh! Habe mir aus Frust heute echt männlich aussehende Trail - Laufschuhe gekauft!

11 April 2007

Woche 16/ 20: Trainingslager mit Joschka


Noch einen Monat! Dann ist es soweit! Da mir eine Woche Urlaub zur Verfügung steht, nutze ich sie für ein erbarmungsloses Trainingslager. Berlin, Berlin - wir fahren nach Berlin! Morgen laufe ich im Tiergarten und hoffe auf ein paar Laufscharmützel mit irgendwelchen Politikern. Obwohl da läuft ja keiner mehr ... Mist! Was jetzt? Der Wirtschaftsglos kommt bestimmt schon beim Ansehen von Fit for Fun völlig aus der Puste, der Münte fährt nur Moped und die Angela - ich glaube nicht, dass die jemals in einem Laufschuh gestanden hat!


Joschka! Du wärst die Rettung! Aber was ist nur aus Dir geworden! Wie gerne hätte ich meine Kräfte mit Dir gemessen! Wie gerne bei einer Runde ums Regierungsviertel über den Bush gelästert. Wie gern etwas über Dein Ernährungsprogramm gehört. Aber auch Du bist wieder ein Glos... Also was bleibt mir übrig? Fahrrad könnte ich fahren, aber dann müsste ich mich sportlich in Richtung Scharping und Ströbele bewegen. Und mit ihnen muss man sich erstmal wohlfühlen! Naja dann lauf ich halt für mich und vielleicht renne ich ja Achilles oder dem Klemmbrettkarras über den Weg...

01 April 2007

Woche 15/20: 35 Kilometer


35 km! Diese Woche ist es nun also so weit. Generalprobe für den Marathon. Halten die Knochen? Was macht die Pumpe? Wird einem schwindelig, wenn man seine Hausstrecke knapp 4 Mal rennen muss? Seit Wochen lade ich Hörebücher für diesen Tag - damit mir auch nicht langweilig wird. Ich lege Vepflegungsdepots an und plane, wo das nächste Haus ist, zu dem ich mich schleppen kann, wenn ich bei Km 28 schlapp mache... 35 km! Vor 2 Jahren, als ich anfing zu laufen und noch 15 Kilogramm mehr wog, waren 35 km schon mit dem Fahrrad eine Illussion! Treppensteigen, Kisten schleppen all das machte mich immer schon total fertig! Und diese Woche 35 km! Ich habe Respekt und freue mich darauf! Sie sollten zu schaffen sein! Und dann gibt es nur noch den Marathon...

29 März 2007

Woche 14/20: Endlich Sonne


Du ziehst die Laufschuhe an. Trittst vor die Tür. Hörst die Vögel. Atmest tief ein und rennst los. Du läufst und läufst, erst langsam, dann immer schneller. Du merkst, wie Deine Systeme hochfahren. Da wirst Du schneller. Du fühlst Dich wie Forrest Gump! Die Sonne scheint Dir ins Gesicht. Du könntest ewig laufen! Du bist glücklich! Und vergisst Deine hässlichen Laufschuhe! Zwei Stunden, die nur Dir gehören. Kein Telefon, kein Ärger! Zeit für Dich! Gerade ist einfach nur Frühling - nichts anderes. Alles ist wunderbar. Der Marathon ist weit weg und das Leben ist toll!

21 März 2007

Woche 13/20: Metrosexuelle Laufschuhe


Mist! Elender Dreck! Seit Wochen freue ich mich auf meine neuen Laufschuhe. Die Alten sind fertig! Nach 1000 km bereiten sie mir Schmerzen. Nicht nur in der Nase, sondern auch am Fuss! Und das ist ein Alarmsignal! Nun habe ich die Kohle endlich zusammen. Deshalb gehe ich in meinen Lieblingslaufschuhladen. Ich habe dieses Mal sogar daran gedacht, Strümpfe ohne Löcher anzuziehen. Laufband, Verkäufer und bewährte Marke sind mir bekannt. Also steht dem erfolgreichen Laufschuhkauf nichts mehr im Wege!

Doch dann das!!! Da kultiviere ich seit Monaten mein Image als harter Mann, dem kein Weg zu weit, kein Schmerz zu stark, keine Anstrengung zu gewaltig ist und dann hat mein Lieblingslaufschuhladen keine Laufschuhe für meine Schuhgröße! Nach 3 Stunden joggen auf dem Laufband, anziehen, ausziehen, drücken, schnüren, legen erklärt mir mein Verkäufer, dass der perfekte Schuh in meiner Größe wohl ein Frauenschuh werden wird. Ja hat er sie denn noch alle??? Er versucht es mir schonend beizubringen, aber ich bin kurz vor einer Gewalttat. Lieber Blasen an den Füßen als in türkisen Schuhen laufen.
Die Frau, die ich eigentlich liebe, liegt vor Lachen auf dem Boden. Na toll! Ich wusste, dass es bescheuert ist, wenn ich sie mit zum Schuhkauf nehme! Der Verkäufer redet mir und der Honigblüte ein, dass es noch viel männlicher ist, auf die Meinung anderer zu scheißen und stattdessen auf Qualität, Bequemlichkeit und Preis zu achten. Ohne ein Ton zu sagen nehme ich die Dreckdinger mit. Ja, was bleibt mir anders übrig! Christian ist kleiner als die anderen Kinder! Jetzt liegen diese hässlichen Schuhe hier vor mir. Ich werde sie bei Ebay versteigern und den blöden Marathon barfuss rennen!

13 März 2007

Woche 12/ 20: Ermutigungen

Als ich letzte Woche die 30 Kilometer - Distanz in Angriff nehmen musste, bekam ich das erste Mal richtigen Respekt vor der Marathonstrecke. Was heisst Respekt... Ich bekam Schiss, Panik, brutale Angst!
30 Kilometer! Das ist einmal von mir zu Hause zum Stausee und zurück! Das ist einmal von Eisenach nach Gotha! Das war der besondere Sonntagnachmittagausflug meiner Kindheit! 30 Kilometer das ist einmal um halb Bochum! Ich war fix und fertig hinterher! Und dabei fehlten noch 12 Kilometer an der späteren Gesamtentfernung!

Da war es ein Geschenk des Himmels, als ich mein Email Postfach öffnete und Martin Schramm mir schrieb. Der Mann hat ein Buch geschrieben "Lauffeuer" und wollte es mir schenken! Einfach als Ermutigung! Es ist heute angekommen. Außerdem rief unser Männerchor an, sie wollten den 41. Kilometer kaufen und auch noch die letzten 195 Meter hinter dem 42. Km sponsoren (sie haben schon 480 € gesammelt). Das Fussballteam übernimmt einen Kilometer und Freunde aus Siegen, die nichts mit unserer Gemeinde hier zu tun haben, sponsorten insgesamt 360 €...

Das alles keeps me running!

Herzlichen Dank Euch!!!

11 März 2007

Einwurf

Der Doc hat's mit seinen Wunderhänden gerichtet! Massage! Akkupunktur! Und nun - drei Tage später - geht es mir wieder gut! Herzlichen Dank Emanuel!

06 März 2007

Woche 11/20: Weitere Opfer


Das ist der Pierre! Der Pierre ist drei Köpfe größer als der Christian und macht jeden Tag Krafttraining! Der Spitzname vom Pierre ist Haasi! Klingt komisch, ist aber so!

Also neulich wollten sich der Pierre und der Christian ein bißchen prügeln. Einfach so aus Spaß! Und weil der Christian Spaß mag, hat er Pierre gleich drei Mal auf den Rücken gelegt.
Leider hat der Christian das eine Mal den falschen Arm dazu benutzt. Weshalb der Christian sich sehr wehgetan hat. Nun muss er ganz vorsichtig sein, weil irgendein Band irgendwo in der Schulter ausgeleiert ist. Der Christian schläft schon seit drei Wochen immer mit Schmerzen und beim Laufen tut es auch weh. Das ist die Rache, wenn sich Kleinere an Größeren vergreifen.
Aber morgen geht der Christian endlich zum Arzt, nachdem die Frau vom Christian gesagt hat: "Ich höre mir Dein Gewinsel keinen Tag länger an. Versprich mir, dass Du zum Arzt gehst!" Hoffentlich tut der Arzt dem Christian nicht auch noch weh und sagt ihm gemeine Sachen, wie: "9 Wochen Bettruhe!"; "Bloß kein Sport!"; "Den Arm ruhigstellen!"

25 Februar 2007

Woche 10/20: Das erste Opfer


Halbzeit! Zeit für eine Bilanz! Arme, Beine, Kopf sind alle noch, wo sie hingehören - aber sie machen sich deutlich stärker bemerkbar als früher. Die Knie knacken, tagelang schon schmerzt die Schulter und der Kopf sucht seiten Wochen verzweifelt nach einer Antwort auf die Frage: Warum habe ich den Mist überall herumerzählt, anstatt das Maul zu halten. Dann könnte ich jetzt einfach ein glücklicher kleiner Jogger sein! Aber ich wollte ja unbedingt Marathonläufer werden!

So eine Marathonvorbereitung geht in jeder Hinsicht an die Substanz. Doch wird nicht nur der ganze Kerl herausgefordert. Da werden nicht nur die eigenen Muskeln über das Maß beansprucht und belastet! Nein! Auch das Material kommt an seine Grenzen. In der letzten Woche kam es, wie es unweigerlich kommen musste! Mein knallhartes und unbarmherziges Training forderte sein erstes Opfer: meine Lieblingslaufsocke! Die Bedeutung der Laufsocke darf man keineswegs unterschätzen! Außer, dass sie Frauen, Kinder und Männer, die weniger gewohnt und keine ostdeutsche Erziehung genossen haben, in die Flucht schlagen, haben Laufsocken noch eine weitere wichtige Bedeutung: Sie schützen den rauchenden Fuß vor Blasen.

Und jetzt liegt sie mit einem Loch am Knöchel aufgebahrt und ungewaschen in unserem Schlafzimmer. Dann kann man ihr ein letztes Mal Lebenwohl sagen. Prompt bekam ich bei meinem ersten Lauf ohne Lieblingslaufsocke eine Blase an besagter Stelle. Was soll ich bloß tun? Gerne versteigere ich das Exemplar zugunsten des Baues... Für die zweite Hälfte des Vorbereitung brauche ich wohl ein paar Neue. Vielleicht nehme ich die Falke RU 4 Attack mit den tollen Sicherheitsfunktionen... Hoffentlich hält die bis nach dem Marathon!

20 Februar 2007

Woche 9/20: Lang = Langweilig!?

Was macht man 2,5 Stunden lang, wenn man nichts anderes tun kann als laufen?

Für jemanden der gewöhnt ist, auf dem Weg vom Bett ins Bad schon das erste Mal Emails abgefragt zu haben, sind 2,5 Stunden noch härter. Denn Laufen heisst, 2,5 Stunden vom Handy, dem PC und von Outlook getrennt zu sein. 2,5 Stunden in denen Du nichts machen kannst, als denken und rennen.
Natürlich der MP3 Player läuft, vielleicht mit einem Hörbuch oder mit Predigten, die mir bei meiner Vorbereitung für Sonntag eine Hilfe sind. Ab und zu rennt auch mal jemand eine Stunde mit und man kommt über alles Mögliche ins Gespräch, oder aber Katrin begleitet mich mit dem Fahrrad. Doch nichts desto trotz bleibst Du bei den langen Läufen häufig mit Dir allein => Zwei Stunden, drei Stunden und bald auch noch länger.

Anfangs war das sehr hart, denn Alleinsein bin ich defintiv nicht gewohnt. Ich bin ein Herdentier. Inzwischen weiß ich es aber auch zu schätzen. Wenn Du ersteinmal den Punkt überwunden hast, an dem Du über das Laufen, Deine Situation, Deine Schmerzen nachdenkst und leer im Kopf geworden bist, sind die langen Läufe eine herrliche Möglichkeit zur Pychohygiene und Selbsttherapie.

Unverarbeiteter Ärger kommt hoch, Dinge, die Du vergessen hast und noch erledigen musst, Predigtideen entstehen, Dir kommen Einfälle für die Jugendarbeit und plötzlich ist das Laufen, eine der kreativsten Zeiten überhaupt. Kreativer als jeder Vormittag im Büro mit erzwungenen Brainstormings! Ich kann es nicht erklären und es war auch nicht immer so, doch inzwischen habe ich kaum noch das Gefühl, durch das Laufen Zeit zu verlieren. Meistens habe ich nach einem Lauf das Gefühl, jede Menge Zeit gewonnen zu haben...

14 Februar 2007

Woche 8/20: Winde

Der Läufer sieht sich mindestens vier verschiedenen Arten des Windes ausgesetzt:

1. Rückenwind
Wenn man ihn hat und es nicht der Eigene ist, eine ausgesprochen willkommene Sache. Allerdings drückt das Gewissen hinterher und man fühlt sich ein wenig, wie beim Abgucken erwischt und das ist blöd!

2. Wind von vorn!
Dies ist der für den Läufer augenscheinlich widrigste Wind. Doch bei mir löst er das wunderbare Gefühl aus, in einer besonderen Weise lebendig zu sein. Von daher hat er auch sein Gutes!

3. Wind von der Seite
Auch unangenehm! Besonders dann, wenn er einem in Seidenblouson gekleidete, aufgeblähte Nordic Walkerinnen in die Arme treibt.

4. Kein Wind
Weiß nicht - habe ich noch nie erlebt.

Auch beim Wind gilt: er hat nur soviel Macht, wie Dein Kopf ihm gibt!

PS: Mit Jochen Malmsheimer möchte ich hinzufügen: Möge der Wind in Deinem Rücken nie Dein eigener sein!

09 Februar 2007

Woche 7/20: Vier Stunden Winter

In Bochum gab es dieses Jahr genau 4 Stunden Winter. Alle an ein und demselben Tag! Gestern! Zwei Stunden davon habe ich mit meinen Kindern den Wald unsicher gemacht. Rodeln, Schneemann bauen, Nachbarskinder und ihre Vätern bewerfen.

Die anderen beiden Stunden gehörten mir ganz allein! Laufen im Schnee! Eine lang ersehnte Abwechslung zu laufen im Nieselregen, laufen im Platzregen, laufen im Regen von hinten, laufen im Regen von vorn und laufen im Regen von der Seite

Die Wege waren kaum noch zu erkennen und ich war der Erste, der seine Spuren hinterließ. Der Körper dampfte. Die Schuhe knirschten. Ich lief durch unbekanntes Terrain. Eine Stunde Fahrtspiel war geplant. 1,5 Stunden Schneelauf wurden daraus. Es war wunderbar! Du musst selber laufen, um herauszubekommen, was das heisst. Gestern war ich glücklich!

01 Februar 2007

Woche 6/20: Besorgte Mitmenschen

Egal ob Du rauchst, Dich ausschließlich von Pommes und Currywurst ernährst oder vor Mittag schon Deine ersten drei Bierchen zischst, Deine Freunde werden in Dir eher einen guten Kumpel und töften, bodenständigen Kerl statt einen Menschen mit ungesundem Lebensstil sehen. Das ändert sich schlagartig, wenn Du beginnst zu laufen!

Besorgte Gesichter sprechen Dich darauf an, ob Du Dich nicht vielleicht übernimmst. Drei Mal die Woche? Ist das nicht viel zu viel? Nachbarn fragen, ob ein Marathon nicht eine Nummer zu groß und das ganze Gerenne nicht generell ungesund sei. Freunde beobachten besorgt Deine Gewichtabnahme und versuchen, Dich zu einem weiteren Löffel Schlagsahne zu überreden.

Es scheint einen direkten Zusammenhang zwischen dem Grad Deiner sportlichen Betätigung und dem Maß an Besorgnis zu geben, die Deine Aktivitäten bei Deinen Bekannten auslösen. Ein bisher unerforschtes Gebiet und ein Geheimnis, dem Forscher in den nächsten Jahren ihre Aufmerksamkeit widmen werden. Da bin ich mir sicher!

25 Januar 2007

Woche 5/20: Null Bock


Laufen ist eine Plage. Sponsorenläufe sind total bescheuert! Heute halte ich das alles für eine bekloppte Idee!
Draußen ist es kalt oder dunkel oder es schneeregnet vor sich hin. Und wenn Du nach Hause kommst, ist es noch lange nicht vorbei. Erst stinkt die ganze Wohnung. Der Mief, der aus den Laufschuhen aufsteigt, ist unerträglich. Ganz zu schweigen von den Socken. Lüften geht nicht, weil dann die Familie erfriert! Naja und dann schmerzen die stundenlang alle Knochen! Wer hat sich so einen Mist wie Marathonläufe ausgedacht? Sie locken Dich mit dem blödsinnigen gerede vom Runners High aber den gibt es doch gar nicht!

Auch werde ich nie irgendwo triumphal in das Ziel einlaufen. Tausende Leggingsträger werden mich vorher überholt haben und in ihren dämlichen Oberlippenbart hineingrinsen, wenn ich mich bei 4:00 Std. - persönliche Bestzeit - ins Ziel schleppe. Pizza, Chips, Video, Bier und fast alles andere, was an regnerischen Abenden der Auferbauung dienen könnte, darf ich auch nicht! Mann, ist das Läuferleben gemein! Ich werde jetzt aus Frust drei Stunden lang warmduschen!

17 Januar 2007

Woche 4/20: Sturmwarnung

Letzte Woche, gerade als ein fürchterlicher Orkan über Deutschland hinwegzog, stand "Fahrtspiele" auf meinem Trainingsplan. Also abwechselnd rennen wie bekloppt und rennen, als wenn Du nix mehr zu tun hast heut... Die Liebste sagte noch: "Schatz ist das klug, bei den Wetter laufen zu gehen?" Still verwies ich meinen Trainingsplan - Donnerstag "Fahrtspiel"! Furchtlos machte ich mich auf die Spur. Nachdem ich heil mit dem Auto am See angekommen war, errichtete ich zunächst einen Altar zur Ehre Gottes, der aus Not, Naturgewalten und dem tosenden Meer errettet.

Nun begann ich mit den Fahrtspielen, was gar nicht so schlimm war. Allerdings war mein langsamer Lauf gemessen an den zurückgelegten Metern gegen den Wind dieses Mal irgendwie sehr langsam. Solange hatte ich noch nie für zehn Meter gebraucht! Ich brauchte für meine Motivation eine Aufmunterung und drehte mich um. Sofort beschleunigte ich auf mindestens 180 km/h. Ich war begeistert. Ab und zu flog ich an einem entgegenkommenden Jogger vorbei, dem ich reaktionsschnell auswich. Es kam zu keinen schlimmeren Verletzungen. Ein toller Lauf! Ein tolles Training! Stolz kehrte ich zu meiner besorgten Familie zurück.

Es gibt halt Jogger und Läufer... Jogger laufen nur bei schönem Wetter, in teuren Anzügen und mit teuren Pulsgeräten. Spätestens Donnerstag wurde ich zum Läufer. Und ich bin stolz darauf...Ein schöner Nebeneffekt dieses Nachmittages - nicht ein einziger Nordic Walker war draußen...

07 Januar 2007

Woche 3/20: Aliens



Irgendwie hatte ich es zeitlich nicht geschafft, tagsüber laufen zu gehen. Deswegen war es vor ein paar Tagen richtig dunkel draußen, bevor ich mich um das disziplinierte Einhalten meines Trainingsplanes kümmern konnte.

Zunächst war alles wie immer, regnerisch, zu warm für diese Jahreszeit und dunkel. Doch schnell wurde mir klar: Diese Nacht war keine normale Nacht. Das strahlende, sich rythmisch bewegende Licht erschien mir für einen Augenblick wie das Leuchten eines Joggers mit Stirnlampe. Nach wenigen Kurven stellte ich allerdings schockiert fest, dass der Planet der Affen an jenem Abend hier am Kemnader Stausee zwischen Witten und Bochum den Beginn seiner Schulferien feierte.

Was wie Leuchtstreifen auf den teuren Laufjacken orientierungsloser Lauftightträger aussah, entpuppte sich als bizarre Körperstruktur fremdartiger Wesen. Das mühsame, träge, wankende rote Blinken vor mir, war nicht etwa die Schleife in den kompliziert zum mehrstöckigen Dutt toupierten Haaren einer übergewichtigen Nordic Walkerin, sondern das furchterregende doppelmündige Gesicht einer mir bis dato unbekannten Lebensform. Überall blinkte, blitze und bewegte es sich.

Ich passierte gerade ein dunkleres Wegstück, als ich hinter mir das bedrohliche Stampfen einer ganzen Herde mit Leuchtkörpern ausgestatteter schleimiger Aliens vernahm. Da brach mein zu diesem Zeitpunkt schon deutlich ausgedünntes Nervensystem endgültig zusammen und ich beschloss kurzfristig mein Trainingsprogramm von "Langsamer Regenerationslauf" zu "Schnelle Runde" zu ändern. Das Auto erreichte ich erschöpft, lebendig und dankbar nach neuem persönlichen Streckenrekord.

Inzwischen ist mir nach monatelangem Rätseln die Bedeutung des kleinen Kreuzes am Wegesrand des Nordufers des Sees mit der Aufschritt "Barbara" klar. Erzählt mir doch nichts!!! Diese Frau wurde mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Opfer der Attacke von Außerirdischen, die sich jährlich an der Kemnade in einer geheimnisvollen Nacht im Januar einfinden, um unschuldige Jogger zu jagen. Nie wieder lauf ich um diese Uhrzeit!!!

30 Dezember 2006

Woche 2/20: Laufbekanntschaften


Samstag habe ich jemanden kennengelernt. Ich will gerade meinen mp3 Player verkabeln, als er gegen meine Fensterscheibe klopft. Er sieht aus, wie einer, der Werner, Horst oder Jürgen heisst. Leggingsträger, Wolfgang-Petry-Gedächtnis-Frisur und Rotzbremse unter der Nase. "Was hast'n vor?" sagte er in einer Weise, die mich vorsichtig sein lasst. "Laufen! Große Runde!", antworte ich selbstbewusst. Der packt eh gleich die Nordic- Walking- Stöcke aus! "Und die Zeit", fragt er fast weinerlich. "Knappe 60 Minuten", sage ich triumphierend und "Langsamer Lauf heute!". "Ach Mist!" ist seine Antwort, "Ich habe schon zwei große Runden hinter mir! Ich muss noch eine! Aber wenn ich so langsam lauf, werd ich kalt!" Mir gefriert das Blut in den Adern. Doch Werner, Klaus, Hermann hört gar nicht mehr auf! "Fange heute mit meinem Trainingsprogramm an. Duisburg im Frühjahr. Zwölf Marathons hab ich schon! Elf Mal angekommen! 2 Stunden 50 Minuten! Aber diese elenden langen Läufe sind so scheiß langweilig! Ich hatte gehofft, ich könnte mit Dir... aber egal... Und Du? Für was trainierst Du?" "Mist," denk ich, weil ich mich nicht als blutiger Anfänger outen will und sage: "Und was war das eine Mal, wo Du nicht ankamst?" "Kreislaufkollaps! - Naja muss ich heute halt alleine laufen! Alles Gute Dir!" und weg ist er. Ich sitze im Auto voller Fragen und total deprimiert! Machen Leggins schneller? Stecken in Schnurbärten ähnlich geheimnisvolle Kräfte wie in den Haaren Simsons? Werde ich mit meiner angepeilten Zeit von 4:00 Std. an der Ziellinie des Ruhrmarathons ausgelacht werden? Sollte ich mir eine andere Sportart suchen?

29 Dezember 2006

Woche 1/20 Start: Das volle Programm!

Diszipliniert und gnadenlos ziehe ich nun meinen Trainingsplan durch und lasse nichts aus! Lauf ABC und Dehnübungen zum Beispiel! Die sind total peinlich. Ich habe es schon in der Schule gehasst, wenn Herr Thess "Die Beine an den Popssssss!" lispelte und wir uns zum Affen machen mussten. Aber Klinsmann hat seine Gurkengruppe damit fit bekommen... Da muss ich jetzt durch! Sieht aus wie Aerobic für Arme und ist fast so schlimm wie Nordic Walken , hilft aber dem Laufapperat! Und 1 und 2 und 3 und 4... Stttttrrrrretccccccchhhhhhh.

Einen Rest Würde will ich mir allerdings bewahren und mache diesen Blödsinn, den mein Trainingsplan vorgibt, allein, im Wald, abends, wenn niemand davon Wind bekommen kann...

Mist! Man glaubt gar nicht, wie viel Läufervolk sich um die unmöglichste Uhrzeit in den dunkelsten Ecken des Parks tummelt. Hinter dem einen Strauch macht einer Anfersläufe (Beine an den Popppsssss). Der Nächste dehnt sich auf dem Schachfeld. Ein anderer meint an der Parkbank unbeobachtet, seine Liegestütze machen zu können und schließlich springt mir mein Nachbar in Leggins und im Hopserlauf fast auf den Arm... Ich zieh die Mütze tief ins Gesicht und ergreife im Kniehebelauf die Flucht...

20 Dezember 2006

Dritte Versuchungen: Askese

Nächste Woche beginnt mein 16 wöchiges Vorbereitungsprogramm. Pünktlich zu Weihnachten! Wenn schon Schmerzen dann richtig! Quäl Dich Du Sau! Wie sagt schon unser Herr? "Der Mensch lebt nicht vom Brot allein...!" Ich brauche kein Brot und auch keinen Wein! Lebt wohl Steaks! Auf Wiedersehen geliebtes Fiegepils! Arrivederci Pizza! Bye bye Chickenwings, Doppelwhopper, Pommes und Currywurst! Ab dem 27. Dezember bin ich Asket! So wie Joschka zu seinen besten Zeiten: Wasser, Obst und Gemüse! Lang lebe der Sellerie! Nur Weihnachten! Weihnachten lass ich es noch mal richtig krachen ;-) Und danach vielleicht ab und zu ein bißchen Schokolade...

Fröhliche Feiertage Euch!

12 Dezember 2006

Zweite Versuchungen: Gefahren

Auf den Läufer warten am Wegesrand eine Vielzahl Gefahren: Hunde, Kältewellen, Hitzewellen und Gegenwind. Eine der Urängste des Läufers ist allerdings das Sich-Verlaufen. In der Vorstellung des Läufers bedeutet das das sichere Ende durch Dehydrieren, Verhungern, Knochenbruch und Bänderriss! Um dem zu entgehen sucht der Läufer verzweifelt nach einer Orientierung.

Nur nicht stehenbleiben! Weiterlaufen! Besser auch keinen nach dem Weg fragen! Die Wahrheit über das Ausmaß des Umweges, den man bereits gerannt ist, könnte zu hart sein! Also läuft er weiter, getrieben von der Hoffnung, Bekanntes wiederzuentdecken. Da werden aus einem kleinen Läufchen bei zuviel Übermut schon mal locker 25 km... und zuhause wartet die besorgte Familie.

Deshalb ist es besser, sich strickt an Wegweiser zu halten, so wie z.B. an die Blue Line, die bei großen Marathonläufen auf der Straße die Ideallinie markiert. Strolche hatten beim New York Marathon einmal die blaue Linie verlängert, um die Menge in die falsche Richtung zu führen. Eine unglaubliche Schandtat! Traumatisiert fragten sich zehntausende Läufer: Wenn man der blauen Linie nicht mehr vertrauen kann, wem dann? Ich hoffe, die Täter wurden mit verlässlicher amerikanischer Härte bestraft!

Auch ein unwissender Läufer, der sich ohne Startnummer ins Feld geschmuggelt hatte, richtete 2006 in Leipzig Chaos an, als er links zu sich nach Hause abbog, das nachfolgende Feld ihm hinterher rannte und tausende verwaister Marathonis verloren und des Säggsischen nicht mächtig im Hausflur seiner Mietswohnung stehen ließ! Auch ihm möge kein Erbarmen zuteilwerden!

06 Dezember 2006

Erste Versuchungen: Equipment


Glaubst Du der Industrie, so musst Du zunächst einige tausend Euro investieren, bevor Du den ersten Laufschritt machen darfst. Alles andere gefährdet Dein Leben und das Leben anderer! Mindestens drei verschiedene Paar Laufschuhe sollte der Läufer besitzen! Außerdem ist eine Pulsuhr zur Überprüfung des Trainingszustandes, der gelaufenen Kilometer und des verbrannten Fettes unabdingbar!! Dazu deckst Du Dich am besten schon im Vorfeld mit einer Frühlings-, Sommer-, Herbst- und Wintergarderobe bestehend aus Tights (Lang, ¾ und kurz – versteht sich), funktionaler Laufoberbegleitung aus atmungsaktiven Stoff und Laufjacke ein. Wenn Du einkaufen gehst, lass Dir gleich Laufmütze, Brille, Laufhandschuh und Reflektoren in die Tüte packen! Ach, ich vergaß die Laufstrümpfe! Es gibt ihn tatsächlich den Falke RZ4 Attac Men für 14,95 €! Das muss man sich mal vorstellen! So heißt ein Strumpf!!! Und was der alles kann: modisch, reflektierend, leicht, atmungsaktiv und er ist - Gott sei dank – total sicher! „Sicherheit wird bei dieser Socke sehr hoch geschrieben“, welcher Werbetexter bekommt dafür Geld, dass er so etwas formuliert??? Ich kann das nicht! Also nicht nur das Formulieren, sondern das gesamte Programm!

Erstens: kann ich Männer in Leggins einfach nicht ernst nehmen – ich wurde zwar bitterer Weise bereits von einigen Legginsträgern überholt, aber ich will so etwas einfach nicht tragen!

Zweitens: Mache ich einen Sponsorenlauf – wem soll ich das erklären, wenn ich die ersten 2000€ allein für Ausrüstung verheize???

Drittens: Der Äthiopier Abebe Bikila gewann 1960 in Rom gegen die weiße, hochgerüstete Weltelite Gold und zwar barfuss! Das nenne ich vorbildlich! So mache ich das auch!

Obwohl? Barfuss im Winter… ??? Okay Schuhe, da investiere ich was...! Und vielleicht schenkt mir ja einer zu Weihnachten 'ne Pulsuhr… so eine mit Datenabgleich für den Computer, 'nen bisschen GPS und programmierbaren Trainingsprogrammen… Oh ja – das wäre schön! Aber der Rest ist Schnickschnack! Basta!

27 November 2006

Zweite Versuche: Temperaturschwankungen


Gewisse Temperaturschwankungen steckt der Läufer ja gerne weg, aber die derzeitige Situation mit Temperaturen zwischen -1 und 18 Grad überfordert mich motivationstechnisch total. Wenn Du auf dem Weg zum Auto schon drei Mal die Jacke an- und wieder ausgezogen hast, vergeht Dir jede Lust am Laufen! In einem Moment kann es aus Kannen gießen, im Nächsten bitter kalt werden, während Du Dich Sekunden später fragst, ob Du nicht in den See hineinspringen solltest, anstatt ihn zu umrunden. In solchen Augenblicken will keiner weiterlaufen. Da helfen nur Tricks aus der untersten Schublade der Motivationstrickkiste! Zum Beispiel der mögliche Sieg über die SLK- Fahrerin, die ihren Mercedes eben genauso krumm, wie engagiert in die Parklücke neben mir eingeparkt und dabei beinahe meinen Spiegel abgerissen hat. Das schreit nach Rache! Na warte, Dich hol ich mir! Und ich bin mir nicht zu schade gegen eine Frau anzutreten, die mindestens 10 Jahre älter ist, nein, denn ich habe Dir Vorsprung gelassen, Mädchen, weil ich mich im Gegensatz zu Dir dehne und warm mache. Und meinetwegen laufe ich auch die 10km und Du bloß die kleine Runde und ich bekomme Dich dennoch...

24 November 2006

Erste Versuche: Bitterer Ernst



Was für den Pastor die Bibel ist für den Lauffreund die einschlägige Laufliteratur. Täglich liest man sie, obwohl man den Inhalt schon hundert Mal gehört hat. Man kommt einfach nicht davon los... Die heiligen drei Könige im Laufsport heißen Steffny, Strunz und für die ganz Harten Bernd Heinrich. Der ist der Gott der Ultraläufer und rennt mal eben 100km. Aber schönes Buch! So habe ich erfahren, dass es in manchen Völkern eine Art des Jagens ohne Waffen gibt, bei der der Mensch die Antilope solange vor sich herteibt, bis die sich erschöpft ins Gras legt. Na schönen Dank! Ich wüsste, wer sich bei mir zuerst ins Gras legt!
Aber zurück zur Bibel! Die heiligen drei Könige erzählen eigentlich alle dasselbe: Willst Du Marathon laufen, musst Du Kilometer machen, willst Du Marathon in einer bestimmten Zeit laufen, brauchst Du Tempoläufe... Nichts davon macht wirklich Spaß... aber was tut man nicht alles für einen guten Zweck...

23 November 2006

Die Idee: Auch als Couchpotatoe was bewegen


42,195 einsame und lange Kilometer stehen zum Verkauf. Der erste und einfachste Kilometer kostet 10 €, der Zweite 20 € der Zehnte 100 €... Es versteht sich von selbst, dass Christian für jeden weiteren Kilometer immer mehr gute Gründe braucht, um weiter zu laufen, so dass jeder höhere Kilometer auch mehr kostet und der dreißigste Kilometer z.B. für 300 €, der 31. für 310€ und der 42. Kilometer für 420€ verkauft werden. Und auch Du kannst ihn sponsern, in dem Du Dir einen Kilometer heraussuchst, ihn mal 10 multipliziert und Christian Rommert pastor@rommert.de den Betrag mitteilst.